Immer wieder bin ich überrascht was wir Mütter so alles leisten und welchen neuen Herausforderungen wir uns täglich stellen.

Mal abgesehen von der körperlichen Veränderung während einer Schwangerschaft, stellt sich mit der Geburt eines Kindes das ganze Leben um. Während man vorher selbst bestimmt war, hört das nun schlagartig auf. Viele geben ihre Arbeit auf und sind zu Hause mit Kind und Haushalt. Wer nicht völlig aus dem Job oder dem Studium raus sein möchte, fängt schon bald neben dem Kind wieder an Emails zu lesen oder stundenweise zu arbeiten. Der ganze Tag aber, dreht sich um den Rhythmus des Kindes. Wann ist Schlafenszeit, wann hat das Kind Hunger, wann habe ich Zeit für Arbeit und Haushalt. Selbst banale Dinge wie, wann kann ich Duschen bedeuten oftmals Organisation. Dann geht es weiter damit, einen geeigneten und zahlbaren Krippenplatz zu finden, die Arbeit wiederum den Bring- und Abholzeiten anzupassen, immer einen Plan B und C in Petto zu haben, falls Kind krank, Erzieherinnen streiken oder Arbeit länger dauert. Selbst krank werden geht nicht. Wenn die Krippenzeit überstanden ist, geht es in den Kindergarten. Den Eingewöhnungsstress mal aussen vor gelassen wo man schweren Herzens, das nach Mama schreiende Kind in der Obhut einer fremden Person lässt. Kaum könnte man als Mutter den Eindruck gewinnen das Schwierigste sei überstanden, beginnt die erste Trotzphase. Wie diese sich dann wiederum auf den Alltag auswirkt, ist eine ganz schöne Herausforderung. Das Kind will sich nicht anziehen, will nicht in den Kindergarten, will nichts essen, schreit, und der unausweichliche Termin in der Arbeit rückt rasant näher. Jetzt kommen noch Vorführungen, die man sich nicht ansehen kann, weil man sitzt ja in der Arbeit, Elternabende, und das schlechte Gewissen nagt an einem, wenn man sein Kind abends mit fertig Pizza satt bekommt, und keine biologisch- vollwertige Nahrung mehr im Handumdrehen zaubert. Zumindest ein Vorteil hat das ganze, das Kind ißt auf.  Hat sich der Tagesablauf endlich eingependelt, darf man sich mit der Schulthematik auseinandersetzten. Ist die Grundschule um die Ecke gut, oder doch lieber Montessori oder Waldorfschule? Jetzt darf man während der Arbeit, dem Haushalt, dem Einkaufen und dem Wäsche waschen noch auf Informationsveranstaltungen rennen in der Hoffnung nicht bereits nach den ersten Sätzen einzuschlafen.

Unser Kind kommt in die Schule! Hurra. Schultüte basteln, Verwandte einladen, Fest organisieren. Ist die erste Freude und der Stolz erst ein mal passé, begreift man schnell, dass Schule doch anstrengend für Mutti ist. Jetzt kocht man am Abend nicht nur, sondern darf noch Hausaufgaben kontrollieren und sich Sätze wie: „unsere Lehrerin hat aber gesagt das schreibt man so“ anhören. Die ersten Tränen fließen, weil die beste Freundin oder Freund in der Klasse in der Pause nicht mit einem gespielt hat, oder ein anderes Kind total ungerecht war. Hat man das Glück einen Hort Platz gefunden zu haben, ist man fein raus. Jetzt merken wir bald wie ein anderes Thema unsere Aufmerksamkeit fordert. Alle anderen Kinder spielen ein Instrument, reiten, machen Karate, spielen Tennis und so weiter. Schnell muss ein Sport her, denn ansonsten kann das eigene Kind nicht mehr mithalten. Also wird organisiert, wann welcher Sport, wann welches Musikinstrument, wie kommt das Kind hin und zurück. Und schon gibt es neue Termine, Auftritte und Vorführungen bei denen man ja nicht fehlen möchte. Legt das eigene Kind keinen Wert mehr darauf ob Mami im Publikum sitzt und applaudiert, sind wir in der Pubertät angekommen. Jetzt werden Türen geknallt, Tränen gestillt und man hat keine Ahnung was das Kind den ganzen Nachmittag treibt während man in der Arbeit sitzt.

Und schon naht das Abitur, jetzt heißt es mit fiebern, erklären, Nachhilfelehrer bezahlen und täglich für 50 € Einkaufen weil das ein  Kilo Brot sich über Nacht in Luft aufgelöst hat, die drei Liter Milch verdunstet sind und der Kühlschrank plötzlich wieder bedrohlich leer ist.

Und hat man mehrere Kinder wird das alles potenziert und die einzelnen Phasen vermischen sich. Während wir Mütter uns ein Bein ausreißen im Job erfolgreich zu sein, nebenbei noch Kinder organisieren, Wäsche waschen, Putzen, ständig neue Klamotten kaufen, weil diejenigen die wir letzte Woche gekauft haben bereits zu klein sind, Präsenz an Elternabenden zeigen, uns mindestens ein Diplom in Erziehung, Ernährung, Medizin und anderen Themen erarbeitet haben, erwartet man von uns, dass wir schön gestylt, entspannt und immer mit einem Lächeln auf den Lippen durch den Alltag gehen. Im Job sind wir professionell, zu Hause eine liebevolle und fürsorgliche Mutter für unsere Kinder und für den Partner die leidenschaftliche Ehefrau.  Chapeau auf uns Mütter, denn für uns selbst bleibt kaum Zeit.