Als ich mich noch im vermeintlich glücklichen Ehehafen befand, im bald 8. Monat schwanger, bat mich mein damaliger Mann ihn auf die Hochzeit eines Freundes zu begleiten. Mit kugeligem Bauch und zwei kleinen  Kinder hielt sich zwar meine Begeisterung in Grenzen, zumal die Hochzeit vier Stunden Fahrtzeit mit dem Auto entfernt war, ließ mich aber überzeugen mit den Argumenten: Ohne mich würde es keinen Spaß machen und sein Freund hätte extra ein Loft für uns gemietet für die Übernachtung. Natürlich habe ich wie immer, sowohl den Koffer für mich, für die Kids als auch für  meinen Mann gepackt. Die Autofahrt war ok und als wir ankamen war es bereits nach acht Uhr abends. Das versprochene Loft befand sich in einer ehemaligen Fabrik und als wir die Tür öffneten, waren nicht nur wir dort einquartiert, sondern noch weitere 10 Personen, alle um die 27 (ich war damals 32). Gesellig saßen alle grölend um einen  Tisch herum der voll von Bier – und Wodkaflaschen stand. Meine Euphorie beim Anblick der Getränke und der bereits angetrunkenen Leute, war extrem hoch. Ok, wir haben das Loft nicht für uns alleine.

Ich begrüßte kurz alle und zog dann meine Kinder in Richtung unseres Zimmers, gefolgt von meinem Mann der mir sagte wie müde er sei und dass er gleich ins Bett wolle. Ok, ich war zwar noch einigermaßen fit, aber eine Schwangere braucht ihren Schlaf. Ich brachte, wie immer, die Kinder alleine ins Bett und wollte mich auch gerade ins Bett legen als es an der Tür klingelte und weitere zur Hochzeit geladenen Gäste hinzu kamen. Mein damaliger Mann sagte mir: „stört es Dich wenn ich mich noch dazu setze?“. Ich verneinte, war jedoch ein wenig erstaunt weil er ja eigentlich derjenige war, der sofort ins Bett wollte. Aber ok. Da ich bereits meinen Schlafanzug an hatte, beschloss ich ins Bett zu gehen. Bald schon war ich tief eingeschlafen, trotz des Lärms.

Mitten in der Nacht aber,  wachte ich auf, weil ein Kind weinte, ich blickte auf meine zwei, die aber ruhig neben mir schliefen. Mit einem kurzen Blick neben mich, stellte ich fest, dass mein Mann noch nicht schlafen gegangen war. Ich blickte auf mein Handy. Drei Uhr nachts. Ich lauschte in die Dunkelheit und wunderte mich, warum das Kind immer noch schrie ansonsten aber keine Geräusche zu hören waren. Das Schreien war ziemlich nah, allerdings hatte ich als wir ankamen kein anderes Kind gesehen.  Irgendwann stand ich auf und stellte verwundert fest, dass alle Türen der anderen Zimmer offen waren, aber keiner da. Das Kind schrie immer noch. Ich ging auf die einzig geschlossene Tür zu hinter der das Schreien zu hören war. Leise klopfte ich an, nichts, ich klopfte noch mal, wieder nichts. Langsam öffnete ich mit einem mulmigen Gefühl die Tür darauf gefasst, gleich bei einem Fremden im Zimmer zu stehen. Verblüfft stellte ich fest, dass außer dem weinenden kleinen Kind niemand im Raum war. Ich war die einzige Erwachsene, hoch schwanger mit meinen Kindern und einem fremden, vielleicht 8 Monate alten Baby in diesem Loft. Ich nahm das Baby aus seinem Laufstall und beruhigte es schaukelnd auf meinem Arm. Bald schon schlief das Baby auf meinem Arm ein und ich legte es vorsichtig in sein Bett zurück. Ich war fassungslos, wie kann man sein Baby einfach alleine lassen?? Ich holte mein Handy und stellte entsetzt fest kein Netz zu haben. Panik stieg in mir hoch, was tun wenn ich jetzt Wehen bekomme? Ich bin allein mit drei kleinen Kindern, hochschwanger, in einer fremden Stadt und das ohne Handyempfang! Ich ging auf den Balkon, atmete tief durch und prüfte meinen Empfang. Nichts. Ich lief durch die Wohnung, nirgends hatte ich auch nur einen Balken. Irgendwann setzte ich mich verzweifelt auf den Balkon und zählte jede Minute… Um fünf in der Früh kam dann mein Mann, völlig betrunken und verständnislos über meinen Ärger. Wir haben doch kein Kind alleine gelassen, du warst doch da und ich wollte dich nicht wecken, wo liegt denn das Problem?